HistoVeaR macht historische Kleidung digital erlebbar
Ein Forschungskonsortium aus World of VR, der Universität Paderborn und der TH Köln arbeitet an Verfahren, um historische Kleidung mithilfe von Künstlicher Intelligenz und Virtual Reality realistisch zu rekonstruieren und interaktiv zugänglich zu machen. Das Projekt HistoVeaR soll Anwendungen für Museen ebenso ermöglichen wie für die Spiele- und Filmbranche.
Historische Kleidungsstücke vermitteln Einblicke in gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen, sind jedoch oft nur eingeschränkt zugänglich. Viele Objekte gelten als zu empfindlich für eine Nutzung oder sind nicht vollständig erhalten. Das Projekt HistoVeaR entwickelt deshalb digitale Rekonstruktionen, die historische Kleidung als interaktive virtuelle Modelle erlebbar machen sollen.
Digitale Zwillinge historischer Kleidung
Im Mittelpunkt stehen die Entwicklung eines durchgängigen Prozesses für die kontaktlose Digitalisierung sowie die KI-gestützte Simulation und Animation historischer Kleidungsstücke. Neben Schnitt und Erscheinungsbild sollen auch Eigenschaften wie Gewicht, Steifigkeit und Faltenwurf möglichst realitätsnah dargestellt werden.
Kerstin Kraft, Professorin an der Fakultät für Kulturwissenschaften der Universität Paderborn: „Kleidung entfaltet ihre Wirkung erst im Zusammenspiel mit dem menschlichen Körper – durch Bewegung, Materialverhalten und Form. Genau diese Dimension geht in Museen, aber auch in digitalen Produktionen wie Spielen oder Filmen häufig verloren."
Fokus auf Simulation und Interaktion
Ziel des Projekts ist die Erstellung digitaler Zwillinge historischer Kleidungsstücke auf Basis von Originalobjekten. Diese sollen sich in Echtzeit bewegen, physikalisch korrekt reagieren und interaktiv genutzt werden können.
Eine technische Herausforderung liegt in der Kollisionserkennung, also der realistischen Interaktion zwischen Körper und Kleidung sowie zwischen mehreren Stofflagen.
Arnulph Fuhrmann, Professor am Institut für Medien- und Phototechnik der TH Köln: „Eine besondere Herausforderung stellt die Kollisionserkennung dar – also das realistische Zusammenspiel zwischen Körper und Kleidung sowie zwischen mehreren Stofflagen, etwa bei Unterkonstruktionen oder mehrteiligen Gewändern."
Anwendungen für Museen, Games und Film
Die Universität Paderborn bringt kulturhistorische und textile Expertise in das Vorhaben ein. Dazu gehören die Auswahl der Originalobjekte, die Erstellung von Schnittmustern und die wissenschaftliche Grundlage für die digitale Rekonstruktion.
World of VR entwickelt ein modulares Scansystem und Verfahren zur Erfassung von Geometrie, Oberflächenstrukturen und Farbigkeit der Kleidungsstücke sowie der zugehörigen Avatare. Die TH Köln arbeitet an einem KI-basierten System für Simulation, Anpassung und Animation, das die Nutzung der digitalisierten Kleidung in Virtual-Reality-Anwendungen, Spielen und Filmproduktionen ermöglichen soll.
Werkzeuge für die Kreativwirtschaft
Nach Angaben der Projektpartner soll das System mit geringem manuellem Aufwand hochwertige Ergebnisse liefern und flexibel in unterschiedlichen Einsatzfeldern genutzt werden können.
Björn Bartholdy, Professor am Cologne Game Lab der TH Köln: „Mit HistoVeaR wollen wir einen Beitrag dazu leisten, kulturelles Erbe besser zugänglich zu machen und gleichzeitig neue Werkzeuge für kreative Industrien bereitstellen. Das geplante System soll flexibel einsetzbar sein und qualitativ hochwertige Ergebnisse bei möglichst geringem manuellem Aufwand ermöglichen – für potenzielle Nutzer*innen also niedrigschwellig anwendbar sein."
Ein mögliches Einsatzszenario sind Museen, in denen Besucherinnen und Besucher historische Kleidungsstücke in einer virtuellen Umgebung anprobieren, betrachten und in Bewegung erleben können.
Förderung bis 2028
Das Projekt „KI-rekonstruierte historische Kleidung in Virtual Reality für Museen, Spiele und Filmproduktionen“ wird von World of VR koordiniert. Zum Konsortium gehören Arnulph Fuhrmann und Björn Bartholdy von der TH Köln sowie Kerstin Kraft von der Universität Paderborn.
Gefördert wird das Vorhaben im Rahmen des Innovationswettbewerbs NEXT.IN.NRW durch das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Förderung läuft bis Ende Mai 2028 und umfasst rund 1,5 Millionen Euro. Die Europäische Union beteiligt sich an der Finanzierung.



